Auf dem Rückweg

1.702 nm to 2.000 nm * Kalmar - Grönhögen - Christansoe - Ystad - Klintholm - Vejroe - Kiel

 Alles hat ein Ende, leider auch die ARC Baltic…in Kalmar treffen wir nochmal alle Mitstreiter zum Farewell-Dinner und es gibt wirklich ein bisschen eine sentimentale Abschieds-Stimmung, war richtig nett die letzten Wochen mit unseren 18 mitsegelnden Crews! Auch Kendall und Felix müssen uns leider verlassen und so erkunden wir nicht nur Kalmar zu zweit, sondern werden auch die restlichen 300nm nach Kiel in kleiner Crew-Besetzung bestreiten, was wir aber auch ein bisschen genießen ;-)

Wenn man nach Westen will, ist Ostwind toll, außer man liegt in Kalmar mitten im Schwell. Irgendwie sind die Ostsee-Häfen teilweise schon ein bisschen „Micky-Maus-Häfen“ (im Vergleich z.B. zu den geschützten Häfen in England) - wenn der Wind aus der falschen Richtung kommt, gibt es wenig Schutz und damit Schwell und unruhige Nächte. Von daher sind wir ganz dankbar, Kalmar am Dienstag zu verlassen, es ist viel Wind und da weiter im Süden noch Böen mit 7-8 angesagt sind, segeln wir nur einen kurzen Schlag im Schatten von Öland bis nach Grönhögen. Kleiner Hafen, am Ende der Saison schon ziemlich ausgestorbenes aber nettes Dorf und eine nette tschechisch/kanadisch/polnisch/schwedische Crew rund um Skipper Pawel mit gegenseitiger Begutachtung der jeweiligen Alkohol-Vorräte an Bord…

Am Mittwoch legen wir früh ab, um einen langen Schlag nach Südschweden bis nach Skillinge zu segeln. Da uns der Wind am Anfang aber zu schwach und zu raum ist, ändern wir spontan unsere Pläne und segeln nach ein bisschen familieninterner Diskussion nach Christansoe, zu den Erbseninseln östlich von Bornholm…zufälligerweise auch ein Ziel, zu dem meine Frau IMMER schon mal wollte und das wir uns auf dem Hinweg nur wegen Starkwind in Bornholm verkneifen mussten. Es wird ein toller Segeltag mit permanent über 7kn Fahrt, viel Welle und tollem Wetter. Schon um 16:30 machen wir in Christiansoe fest und freuen uns wieder mal über das nahende Saisonende: nur zwei Segler im wirklich schönen Naturhafen, totale Idylle und ein supernettes Dinner im lokalen Restaurant auf der ziemlich ausgestorbenen Insel – toll!

Der Donnerstag bringt etwas weniger Wind und nach anfänglichem schönen Segeln an Bornholm vorbei kreuzen wir das TSS vor Südschweden und müssen bis Ystad noch ein bisschen motoren. YStad ist nett, ganz belebt und wir genießen ein schönes Dinner…in Summe aber eher unspektakulär.

Das gilt eindeutig auch für Klintholm, das uns nur so mittel gefallen hat. Der Segeltag am Freitag war allerdings super. Weiterhin permanent Sonnenschein und Ostwind, und da dieser etwas schwächer weht, segeln wir den kompletten Tag mit einem wunderbar getrimmten Parasailor und umrunden gegen Abend die Kreideklippen von Moens Klint, am Ende dann mit dem leichten Abtörner des Hafens von Klintholm.

Samstag ist – Überraschung – schönes Wetter und – Überraschung – weiterhin schöner Ostwind. Wir können den ganzen Tag segeln, laufen durch den Groensund zwischen Falster und Moen  und erreichen schließlich Vejroe, eine kleine Insel zwischen Langeland, Lolland und Seeland. Vejroe hinterlässt bei uns eindeutig zwiespältige Gefühle: die versprochenen 2,5m Tiefe im Hafen können irgendwie nicht stimmen, da wir uns richtig schön festfahren…und das bei Ostwind, wo eigentlich noch mehr Wasser im Hafen als sonst steht. Nach dem wir uns wieder rausgezogen haben, bremse ich beim Anleger leider etwas spät und unser Anker rasiert ein bisschen die Leiste vom Steg…blöd, aber zum Glück kein Schaden am Boot. Dann frustriert uns das supernette, aber auch absolut einzige Restaurant auf der ansonsten mehr oder weniger menschenleeren Insel mit einem „No Restaurant – private Party“ Schild und zu guter Letzt stellt sich auch Vejroe wieder als ein Hafen der Mickey-Maus-Kategorie raus: obwohl der Wind aus Ost mit 15kn eher verhalten bläst, steht übler Schwell im Hafen, so dass wir uns nach dem Abendessen nochmal im Hafen auf einen anderen Platz verlegen, mit einem perfekten Manöver trotz gut Wind, was etwas für den Patzer am Nachmittag entschädigt. Bis hierhin alles eher einseitig negativ und nicht zwiespältig, Vejroe ist aber eigentlich superschön, das Restaurant sah sehr nett aus, am Hafen kann man Lagerfeuer machen und bei Westwind wäre auch Micky-Maus akzeptabel. Wir würden Vejroe beim nächsten Törn auf jeden Fall nochmal eine Chance geben.

Zum Abschluss das Beste, wir brechen um 7:00 auf, da wir einen langen Törn bis nach Kiel vor uns haben und wie immer mit 5-5,5kn kalkulieren. Der Wind ist allerdings richtig gut, kommt die ganze Zeit aus 90-120 Grad mit 15-20kn und Lyonesse läuft! Wir segeln stundenlang mit deutlich über 8kn, Welle ist erträglich und haben richtig Spass. Ausserdem sind wir schon nach 9h um 16:00 am Ziel unserer Reise in Kiel und können den Tag nach einigen ersten Klarierungs-Arbeiten bei einem Glas Wein gemeinsam Katrin und Dirk, die nahe Kiel wohnen und uns besuchen, angemessen ausklingen lassen.

2000nm liegen seit „Leinen los“ in Hindeloopen hinter uns, wie nach unserem „Rund England“ Abenteuer mischt sich auch viel Wehmut über das Ende der Reise in die Freude über das Gesehene und Erreichte…es dürfte definitiv nicht unsere letzte „Langfahrt“ mit Lyonesse gewesen sein ;-)

 - Georg


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